Adalbert Stifter: Bergkristall

Alexander Netschájew stellt sich auch bei dieser Produktion als Vollblut-Schauspieler heraus. Ihm geht es nicht um Stifters herb-farbenreiche Sprache die meistert er gekonnt und wie selbstverständlich. Nein, er stellt auch hier das menschliche Drama in den Vordergrund, sodaß der Hörer bald den "Klassiker" über den "Krimi" vergisst: wenn er die sich immer mehr in der Eiswüste verlierenden Kinder begleitet und von dem erschütternden Wiedersehen zwischen den Eltern und den bereits erfroren geglaubten Geschwistern erzählt - das zeugt von einem hohen Maß an Einfühlungsvermögen und Menschenliebe, die berührt.
Als geniales Hilfsmittel dient auch hier die Musik: nachdem man über eine halbe Stunde schon der Handlung folgt, die immer wieder von Schuberts inniger Musik der B-Dur-Sonate begleitet und untermalt wird, gelangen die Kinder in die unwirkliche Eislandschaft der Gletscher, die nichts mehr mit der Welt zu tun hat, die sie kennen und der Hörer wird konfrontiert mit den meditativen Klängen von John Cage's fragilem Klavierstück "In a landscape". So wird der Hörer sanft, aber unerbittlich in den Bann der Geschichte gezogen.
Wie schon beim FAUST gelingt es dem Hörer durch Netschájews Erzählweise und Konzeption, einen neuen und direkten Weg zu einem altbekannten Klassiker zu finden.

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